Gemeindefinanzkennzahlen

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Grafik 1: Gemeinden nach Anzahl der Über- bzw. Unterschreitungen der Richtwerte

Grafik 2:
Eigenkapital, Durchschnitt der 63 HRM1-Gemeinden

Grafik 3: Selbstfinanzierungsanteil, Durchschnitt der 63 HRM1-Gemeinden

Grafik 4: Nettoschuld, Durchschnitt der 63 HRM1-Gemeinden


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Insgesamt gesund

Die Finanzlage der Thurgauer Gemeinden ist insgesamt gesund. Nach wie vor zeichnen sich die Gemeinden durch genügende Eigenkapitalpolster und eine unproblematische Verschuldungssituation aus. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Gesamtsituation jedoch leicht eingetrübt. Etwas mehr Gemeinden als im Vorjahr erreichten bei einzelnen Kennzahlen nicht mehr den Bereich, der als gut oder mittelmässig gilt. Bei einem Teil der Gemeinden war der Cash Flow zu niedrig, um Neuinvestitionen durch selbsterwirtschaftete Mittel zu finanzieren. Entsprechend waren viele Gemeinden mit Investitionen zurückhaltend. Die Unterschiede zwischen einzelnen Gemeinden sind beträchtlich.

Drei von vier Gemeinden im Plus

Gut drei Viertel der Gemeinden (62 Gemeinden) schlossen die Laufende Rechnung bzw. die Erfolgsrechnung  2015 mit einem Plus ab, ein Viertel  (18 Gemeinden) musste einen Aufwandüberschuss hinnehmen.
Die 63 Gemeinden, die das Rechnungsjahr 2015 nach dem bisherigen Rechnungsmodell HRM1* abschlossen, erwirtschafteten 2015 einen leicht höheren Ertragsüberschuss als im Vorjahr. Er stieg von 7,3 auf 7,6 Millionen Franken. Dieses Ergebnis wurde durch deutlich höhere Steuereinnahmen begünstigt. Bei den 17 Gemeinden, die bereits auf HRM2 umgestellt haben, summierte sich der Ertragsüberschuss auf 7,7 Millionen Franken. Ein Vorjahresvergleich ist bei diesen Gemeinden durch die Umstellung der Rechnungslegung noch nicht möglich.

Genügend Eigenkapitel

Die Thurgauer Gemeinden haben ein ausreichendes Eigenkapitalpolster. Im Durchschnitt verfügten die 63 HRM1-Gemeinden über eigene Mittel im Umfang von 46 Steuerprozenten. Im Vergleich zu den Vorjahren wurde es etwas abgebaut.
Bei den 17 HRM2-Gemeinden zeigt der Bilanzüberschussquotient eine sehr gute Eigenkapitalausstattung an. Der Bilanzüberschuss summiert sich in diesen Gemeinden auf 114 % der direkten Steuern, es sind also genügend Reserven vorhanden, um künftige Aufwandüberschüsse zu decken.
Allerdings ist die Eigenkapitaldecke je nach Gemeinde unterschiedlich dick. 38 Gemeinden mit einer hohen oder sogar sehr hohen Eigenkapitalausstattung stehen 13 Gemeinden gegenüber, bei denen das Eigenkapital eher knapp bemessen ist. Nach wie vor weist jedoch keine Gemeinde einen Bilanzfehlbetrag aus.

Selbstfinanzierungsgrad nahm in den letzten Jahren ab

Der Selbstfinanzierungsgrad sinkt seit einigen Jahren und liegt seit 2011 unter der 100-Prozent-Marke. Das heisst, dass die Gemeinden ihre Investitionen seither nicht mehr vollumfänglich durch selbst erwirtschaftete Mittel finanzieren können. Bei den 63 HRM1-Gemeinden lag der Selbstfinanzierungsgrad im Fünfjahresschnitt mit 77 % in einem Bereich, der noch als volkswirtschaftlich verantwortbar gilt. Die 17 HRM2-Gemeinden wiesen demgegenüber 2015 mit einem Selbstfinanzierungsgrad von 149 % einen idealen Wert aus.

Finanzieller Spielraum moderat, aber vorhanden

Der Selbstfinanzierungsanteil lag 2015 sowohl bei den HRM1- als auch bei den HRM2-Gemeinden im Schnitt in einem Bereich, der einen mittleren finanziellen Spielraum anzeigt. Mit einer schwachen oder nicht vorhandenen Investitionskraft waren im Jahr 2015 40 % der HRM1-Gemeindne und die Hälfte der HRM2-Gemeinden konfrontiert. Demgegenüber verfügte knapp jede sechste Gemeinde über einen grossen Spielraum für Investitionen.

Eher zurückhaltende Investitionstätigkeit

Die 63 HRM1-Gemeinden haben 2015 etwas zurückhaltender als in den Vorjahren investiert. Ihr Bruttoinvestitionen machten 15 % der konsolidierten Ausgaben aus. Damit bewegt sich der Investitionsanteil in einem mittleren Bereich. Die 17 HRM2-Gemeinden investierten lediglich im Umfang von knapp 10 % der konsolidierten Ausgaben, was als schwache Investitionstätigkeit gilt.

Niedrige Bruttoverschuldung

Die Thurgauer Gemeinden haben eine unproblematische Verschuldungssituation. Bei den 63 HRM1-Gemeinden beträgt die Bruttoverschuldung 60 % des Finanzertrages. Damit ist sie im Vergleich zu den Vorjahren zwar angestiegen, ein Bruttoverschuldungsanteil von 60 % gilt jedoch als guter Wert. Auch bei den 17 HRM2-Gemeinden liegt der durchschnittliche Bruttoverschuldungsanteil mit  94 % in einem guten Bereich.
44 der 80 Thurgauer Gemeinden verfügten im Jahr 2015 über ein Nettovermögen. Alle Gemeinden zusammen weisen ein Nettovermögen von 189 Franken pro Einwohner aus.

 

* Die Thurgauer Gemeinden stellen in den Jahren 2014 bis 2018 schrittweise ihr Rechnungslegungsmodell um. Im Jahr 2015 führten 8 Gemeinden das neue Rechnungslegungsmodell HRM2 ein, 9 Gemeinden hatten diesen Schritt bereits 2014 vollzogen. Da das bisherige und das neue Rechnungslegungsmodell nicht vergleichbar sind, muss die Finanzlage der HRM1- und der HRM2-Gemeinden während der vierjährigen Übergangsphase separat betrachtet werden. 

 

 

 

Publikation

Details zu den Gemeindefinanzkennzahlen 2015 können der  Statistischen Mitteilung Nr. 9/2016 Gemeindefinanzen 2015, Finanzausgleich 2016 entnommen werden.

Icon Publikation Gemeindefinanzen

Tabelle 

Kanton Thurgau, Gemeindefinanzkennzahlen 2015

 Finanzkennzahlen der 63 HRM1-Gemeinden
 Finanzkennzahlen der 17 HRM2-Gemeinden
-> frühere Jahre

Datenabfrage und thematische Karten

beedata - Kennzahlenabfrage mit Filterfunktionen und grafischen Auswertungen (Kantonskarten)
Die Gemeindefinanzstatistik-Software Beedata ermöglicht den Abruf der Kennzahlen auf Gemeindeebene und bietet verschiedene Filterfunktionen. Im System stehen Daten ab 2008 (und teilweise 2007) bis auf Ebene Einzelkonto zur Verfügung. Zudem sind Grafiken in Form von thematischen Karten zu den Kennzahlen in beedata abrufbar.


-> Gemeindefinanzstatistik beedata (HRM1-Gemeinden)

-> Gemeindefinanzstatistik beedata (HRM2-Gemeinden)

   

Erhebung und Begriffe

Die Gemeindefinanzkennzahlen werden seit dem Jahr 2003 durch den Kanton erhoben. Grundlage dazu bildet §12 des Gesetzes über den Finanzausgleich der Politischen Gemeinden (Thurgauer Rechtsbuch 613.1).

Informationen zur Erhebung der Gemeindefinanzkennzahlen finden Sie unter:

-> Gemeindefinanzstatistik (Erhebung)

Erläuterungen zur Berechnung und Aussage der Kennzahlen:

HRM1-Gemeinden  

HRM2-Gemeinden


 

Weitere Informationen

Finanzverwaltung des Kantons Thurgau
-> www.finanzverwaltung.tg.ch 

Gemeindefinanzkennzahlen der umliegenden Kantone
Vergleiche mit anderen Kantonen sind nur eingeschränkt machbar, da Besonderheiten der einzelnen Kantone Auswirkungen auf die unterschiedlichen Kennzahlen haben.
-> Kanton St. Gallen
-> Kanton Zürich
-> Kanton Schaffhausen

Konferenz der Kantonalen Aufsichtsstellen über die Gemeindefinanzen (KKAG)
-> http://www.kkag-cacsfc.ch/